Mittwoch, 21. März 2007

Wiedersehen in Schweden

von links nach rechts: julia, wiebke, ich. links oben in der ecke: rebellische jugend stockholms, von uns waehrend eines kaffees hinsichtlich ihres soziokulturellen profils untersucht und synchronisiert

Vier Münsteraner und ein Ami in Stockholm. Wiebke, Vitus plus Mitbewohner Tim und Julia mit Wes, einem alten Freund aus Texas, kamen am Wochende hier an, um sich die Stadt von Nahen anzusehen. Wiebke hatte ihren ADAC-Reiseführer mit, also blieben wir vor jedem auf ihrer Karte rotmarkiertem Gebäude stehen, und ließen uns geschichtliche Daten zu den Sehenswürdigkeiten vorlesen. Auch für mich eine unbekannte Art, durch Stockholm zu laufen und vielleicht nicht unbedingt diejenige, bei der ich für mich persönlich das Gefühl bekomme, eine Stadt zu entdecken. Trotzdem war es sehr schön Freunden die Orte zu zeigen, in denen momentan mein Alltag stattfindet. Und natürlich waren wir auch in der Tapas-Bar am Rande von Gamla Stan, in der ich bereits bei meinem ersten Aufenthalt in der Stadt verweilte, und die ich danach auch mit Philipp und der Erasmusgruppe aufsuchte.
Während Wiebke in meinem Zimmer in Skarpnäck übernachtetete, schliefen die anderen im City Backpacker Hostel, von dem ich schon von einigen Freunden „nur Gutes“ gehört hatte. Schon die Eingangshalle ist gemütlich, mit einem Regal mit Büchern und alten Weltkarten an der Wand. Pasta kann man sich nach Belieben nehmen, ebenso gibt es Kaffee for free und eine Sauna, die man nutzen kann.
Und ich war das erste Mal in meinem Leben bei Max, der schwedischen Fast Food-Kette sedan 1967 schlechthin. Julia kostete den Påtår (Refill)-Service voll und ganz aus; ich bestellte versehentlich ein Kindermenü und kann seitdem ein buntbedrucktes Glas mit Motiven eines Kinderfilms mein eigen nennen. Wiebke stellte Stupsnasen als auffälliges schwedisches Merkmal heraus, und Vitus war so großzügig mich mit neuer Musik zu versorgen (mein Repertoire hatte ich nämlich nach nun acht Monaten im Ausland mehr als über).
Tack så mycket und gute Reise!

Samstag, 17. März 2007

Früühling

Schon die zweite Woche herum, ich hasse es meinem Vater Recht geben zu müssen, aber "Kinder, Kinder, die Zeit vergeht.".
Ich hatte eine weitere schöne Woche hier in der Stadt, mit einem Kurzfilmfestival, einer tollen Führung durch die Video-Austellung von William Kentridge, Mittagspausen auf dem sonnigen Balkon der Östermalmer Galerie und jamaikanischen Ginger-Bier (ohne Alkohol, eine "interessant" schmeckende Mischung aus eben Ginger-Ale und Hustensaft).
Heute abend kommt Wiebke an. Ich freue mich schon, und hoffe dass das Wetter sich hält. Im Moment ist hier der Frühling ausgebrochen, und ich erkenne in mir selbst das Kind meiner Mutter, wenn ich mich über Schneeglöcken und aus der Erde sprießende Pflanzentriebe genauso freue wie sie.
Auf den Frühling!

Sonntag, 11. März 2007

svartvitt

Heute besuchte ich einen Schwarzweiß-Fotokurs im Kulturhuset, på svenska, versteht sich.
Meine Befürchtungen bewahrheiteten sich leider, die beiden anderen Teilnehmer waren etwa sieben Jahre jünger als ich und dazu noch vom Typus Rotzblagen. Nachdem wir mit der Technik vetraut gemacht wurden, hatten wir eine Stunde Zeit mit unseren mehr oder weniger antiken Kameramodellen Stockholm in Bilder zu fassen.

Bei einer solchen Stadt ist es nicht gerade schwer Motive zu finden. Für die Portraitbilder sprach ich kurzerhand Passanten an. Ich war erstaunt dass ich von keinem abgewiesen wurde, und sich alle bereitwillig mit Hund oder ohne Zigarette vor die Linse stellten. Zuletzt fragte ich einen älteren Herrn, der gerade Kisten in sein gelbes Auto verlud, ob ich für meinen Foto-Kurs ein Bild machen dürfte. Nachdem ich den Auslöser zweimal gedrückt hatte, kramte er in seiner Tasche und bat mich noch einen Augenblick zu warten. Ich rechnete mit einer Vistienkarte oder ähnlichem, damit ich ihm vielleicht einen Abzug schicken konnte. Stattdessen zog er schließlich eine Plastikkarte aus seinem Portmonnaie:
Er war Pressefotograf.

Ein paar Fotos sind noch übrig auf meinem Film.
Estella hat mir netterweise die Kamera bis nächste Woche gelassen.
Zehn Bilder in schwarz-weiß. Zehn Bilder in schwarz-weiß von Stockholm.

Freitag, 9. März 2007

Ray of Light

ray of light
Nachmittagssonne heute in Stockholm.

Donnerstag, 8. März 2007

...

Eigentlich wollte ich jetzt einen ausführlichen Bericht über meine ersten Tage als Praktikantin in der Galerie Nordenhake schreiben, aber gerade fühle ich mich wieder unglaublich müde, aber glücklich, und das sagt ja auch schon viel.

Diese Stadt fasziniert mich ungemein, jeden Tag widerfahren mir so viele Dinge, die ich so gerne festhalten möchte um sie nicht zu vergessen. Ich kann mich gar nicht entscheiden, in welche Ausstellung zu erst, oder welche Ecke welchen Stadtteils ich mir morgen näher ansehen will, es gibt einfach so viel. Leider schlägt vor allem die hohe Dichte an Secondhandladen gehörig auf mein Konto, ich sollte mir irgendeine effektive Strategie ausdenken, andernfalls muss ich wohl bald selbst verkaufen um meine Miete zu bezahlen.

Ach, und doch noch was zu meiner Praktikumswoche: War gestern auf meiner ersten Vernissage.
In einem stillgelegten U-Bahntunnel, zwei Leinwände, eine Geschichte über einen blinden Mann, und Rotwein (aus dem Zapfkarton) umsonst. Irgendwie so ganz anders als erwartet, gar nicht betont vornehm und steif, sondern angenehm und etwas aufregend.

Samstag, 3. März 2007

Ankomst till Huvudstan

Seit Freitag wohne ich etwa 400 Kilomater weiter südlich.

Nach großartigen letzten Tagen in der Steinstadt und einem Abschied, den ich mir kaum anders wünschen könnte, packte ich gestern endgültig meine Sachen und setzte mich in den Bus nach Stockholm.
Mein Gepäck war unheimlich schwer und hat mich wirklich nicht zu einem Befürworter von Umzügen mit öffentlichen Verkehrsmitteln werden lassen. Dafür war es ein umso wunderbareres Gefühl, die Schwelle zu Wanjas Wohnung zu überschreiten mit der Gewissheit ersteinmal für längere Zeit angekommen zu sein. Ich mag mein neues Zimmer, es ist länglich, mit grünen Wänden und einem Schlafsofa unter zwei Fenstern.

Heute habe ich mir die nähere Umgebung zeigen lassen. Obwohl auch Skarpnäck kein typisches Schwedenviertel ist mit roten Holzhäuschen et cetera, fühle ich mich sehr wohl hier. Bibliothek und Einkaufsmöglichkeiten sind in der Nähe, und auch die U-Bahnstation ist drei Minuten zu Fuß entfernt.
Und vad fin!, überall reden sie Schwedisch. Eigentlich sollte mich das nicht so sehr erstaunen, nach sechs Monaten Sundsvall. Aber hier werde ich von allen Seiten damit konfrontiert: In der Wohnung läuft ununterbrochen das schwedische Radio, meine Mitbewohnerin ist Muttersprachlerin und in der Tunnelbana sowieso.
Möge es meinen Schwedisch-Kenntnissen zu Gute kommen.

Montag, 26. Februar 2007

Det känns lite konstigt...

Achtung, jetzt gerade: Letzte Nacht / letztes Mal Schlafen in meinem Sundsvall-Nacksta-zimmer (ausgeräumt, mit ohne Wandbehang).

Jedenfalls falls ich den Typen vom StuBo morgen nicht dazu überredet bekomme, mir die Schlüssel zwei Tage länger zu lassen (wovon ich nicht unbedingt ausgehe.)

Dienstag, 20. Februar 2007

Archivierungen

In einer Woche ist mein Zimmer nicht mehr mein Zimmer. Bis dahin muss ich alles blitzblank geputzt haben, die Wände befreit von den Postkarten und gemalten BIldern . Alles, was an die Zeit erinnert in der ich in dem 10qm Raum gehaust und gelebt habe, wird zusammenpackt oder verschenkt.

Wenn man weiß, dass man bald abreist, nimmt man die Dinge anders wahr. Ich betrachte alles aufmerksamer, als müsse ich es mir für meine Erinnerung besonders genau einprägen. Den Aufzug zum Beispiel, mit dem ich täglich mehrmals fahre, um in den vierten Stock zu kommen. Hellgrün, das metallische Einrasten der Tür, bevor er sich in Gang setzt. Den Toaster in unserer Küche, den ich immer kippen muss, um die Brotscheiben herauszubekommen. Und die Stadt an sich. Alles will irgendwie archiviert werden, auf der Speicherkarte der Kamera oder im Hippocampus. Bilder werden durch unendliche Nervenbahnen geschickt um irgendwann und schneller als gedacht doch unscharf zu werden.
Dieser Abschied ist sehr bewusst, ich weiß ich werde gehen, und ich kann Dinge ganz bewusst noch "einmal zum letzten Mal" machen, oder zumindest zum letzten Mal in der Zeit, als ich noch an der Mid Sweden University studierte.

Seltsam, dass einem manchmal erst im Nachhinein auffällt, Dinge "zum letzten Mal" gemacht zu haben. Ohne Möglichkeit, noch einmal bewusst auf alles einen schärferen Blick zu werfen, weil man keine weitere Gelegenheit dafür bekommen wird. Was hätte man gerne noch einmal genauer, bei besserem Licht betrachtet? Oder die ewige Frage der Sachen, die man noch gemacht hätte, wäre einem bewusst, dass es die letzte Chance war.
Oder eben nicht.

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Zuletzt aktualisiert: 16. Jul, 16:59

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